Imkerverein Versmold

100 Jahrfeier des IV Gütersloh

Es gab etwas zu feiern! Der Imkerverein Gütersloh beging sein 100jähriges Jubiläum am 07. November im Spexarder Bauernhaus. Zu diesem Anlass, bei dem Kaffee und Kuchen gereicht wurde, erfolgte ausserdem die Honigprämierung des Kreises Gütersloh.

Die prämierten Honige brachten ihren Besitzern zahlreiche Urkunden und Medaillen ein, und so war die Freude bei deren Verleihung groß.

Zu bewundern gab es ausserdem noch einige ganz besondere Bienenbeuten. Diese hatten Gütersloher Grundschulkinder liebevoll künstlerisch gestaltet. Zuvor waren die Beuten schon auf dem Rietberger Imkertag ausgestellt worden.

Eine ganz besondere Ansprache hatte der 1. Vorsitzende des Kreisimkervereins Gütersloh, Diedrich Steen, vorbereitet. 100 Jahre Imkerverein Gütersloh war das Thema, mit sehr viel Witz und überhaupt nicht langweilig erzählte er, wie sich der Verein über die Jahre entwickelt hat. Interessant ist dabei aber auch die Entwicklung der Imkerei in dieser Zeit, die in den Journalen des Gütersloher Vereins aufgezeichnet war oder die von Diedrich Steen recherchiert wurde.

So berichtete er beispielsweise über die Varroatose: "Bereits im Mai 1951 ist von der „Milbenseuche“ die Rede, im November ist sie bis ins Rheinland vorgedrungen, wo ganze Stände wegen Seuchenbefall abgeschwefelt werden. 1963 ist die Seuche in Coesfeld. Die amtliche Empfehlung lautet jetzt, mit Folbex zu behandeln. 1978 ist die Varroa dann bis Hessen vorgedrungen. Hier kommt es zu großen Standauflösungen und in Gütersloh macht man sich Sorgen. Zurecht: Im Februar 1980 ist die Milbe in Niedersachsen. 1982 ist die Milbe dann in Paderborn, 1983 an drei Ständen Gütersloh, an 8 in Rietberg und an 2 in Wiedenbrück. [...] Aber schon mit dem Auftreten der Seuche werden auch die Gegenmaßnahmen bekannt gemacht. Ein Lehrfilm der Bienenkundeinstitute macht die Runde. Josef Kittel referiert im Verein. Er ist es offenbar, der schon frühzeitig die Bekämpfung mit Ameisensäure vertritt."

Und besonders interessant ist auch die Entwicklung des Honigpreises: "1956 wurden in Deutschland – diese Zahlen zitiert unser Journal – aus 1,3 Millionen Bienenvölkern 13.000 to Honig geerntet. Das bedeutet einen Durchschnittsertrag von 10 kg je Volk. Der Honigpreis lag in dieser Zeit bei etwa € 3,20 je Kilo. Der Gütersloher Imker hatte in jener Zeit etwa 15 Völker, meist in Hinterbehandlungsbeuten im Freudenstein-Maß. Er konnte also um die 150 kg Honig im Jahr ernten und mit seinen Bienen einen Erlös von ca. € 480,-- erzielen. Wenn man sich nun vor Augen hält, dass der Jahresverdienst eines Arbeiters bei Miele damals bei etwa € 2800,-- lag heißt das: Ein Imker konnte sein Jahreseinkommen mit seinen Bienen um 17% aufbessern.

Wie sieht es 20 Jahre später aus? An Betriebsweise und Ertrag hat sich nichts geändert. Die ertragsteigernde Magazinbetriebsweise setzt sich in Gütersloh erst später durch, 1973 wird die Segeberger Beute erstmals überhaupt erwähnt, 1981 imkern erst zwei Vereinsmitglieder in Magazinen. Unser Imker wird also nach wir vor etwa 150 Kilo Jahresertrag haben. Auch der Honigpreis hat nicht sehr angezogen. Er liegt nach Auskunft unseres Journals vom September 1973 bei € 4,- je Kilo, unser Imker kann mit seinem Honig also ungefähr € 600,-- verdienen. Sein Jahresverdienst liegt 1976 aber bei € 13.200,--. Mit Honig kann er sein Einkommen also gerade noch um 4,5% aufbessern. Die Entwicklung ist deutlich: 1956 ist Imkerei noch ein lohnender Nebenerwerb. 17 % mehr Einkommen für Standimker; Wanderimker, die Erträge von bis zu 35 kg je Volk erzielten, konnten ihr Jahreseinkommen sogar fast verdoppeln."

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