Imkerverein Versmold

Juni/Juli

Arbeiten am Bienenstand in den Monaten Juni & Juli

Im Juni kann der Imker bei normalen Trachtverhältnissen mit der Honigernte beginnen, teilweise sogar schon Ende Mai wenn Sortenhonige, wie z. B. Rapshonig, geerntet werden.

Honigernte

Ein gesundes und starkes Bienenvolk sammelt bei ausreichender Tracht mehr Nektar, als von der eigenen Brut und den ausgewachsenen Bienen verzehrt werden kann. Durch Zusetzen verschiedenster Stoffe wie Enzymen, die den enthaltenen Zucker verändern, sowie Entzug von Wasser wandeln die Bienen den Nektar in haltbaren Honig um und lagern ihn oberhalb des Brutnestes ab.

Diese Eigenschaft kann sich der Imker zu Nutzen machen, indem er in die Bienenbeute ein Absperrgitter einlegt. Dieses Gitter trennt nach oben einen begrenzten Raum im Volk ab. Das Gitter ist so eng, dass zwar die kleineren Arbeiterinnen hindurch schlüpfen können, nicht aber die größere Königin. Der abgetrennte Raum wird nun lediglich zur Einlagerung von Honig genutzt, da die Königin hier keine Eier legen kann. Zwar funktioniert das grundsätzlich auch ohne ein Absperrgitter einzulegen, mit Gitter bleiben die Waben im Honigraum jedoch sicher brutfrei. Das ist bei der späteren Ernte des Honigs sehr wichtig: Zur Ernte sollten nur brutfreie Waben verwendet werden.

Sind die Waben im Honigraum mit Honig gefüllt und haben sie dem Honig ausreichend Wasser entzogen, verdeckeln die Bienen die einzelnen Honigzellen mit einem Wachsdeckel. Bei etwa zu 2/3 verdeckelten Waben kann der Honig meist geerntet werden, da der Wasseranteil im geernteten Honig dann voraussichtlich unter 18% liegt. Ein Wasseranteil über 20% lässt den Honig wohlmöglich zu schnell gären, deshalb ist es besonders wichtig bis zur Ernte lange genug zu warten. Doch die Größe der verdeckelten Fläche auf einer Wabe ist nur ein Hinweis auf die Reife des Honigs, um ganz sicher zu gehen kann man den Wassergehalt vor der Ernte mit Hilfe eines Refraktometers feststellen. Auch die Spritzprobe, bei der man die Waben waagerecht oberhalb des geöffneten Bienenvolks mit einem kurzen Ruck nach unten in die Luft schlägt, gibt Auskunft über den ungefähren Reifezustand des Honigs - nur ausreichend trockener Honig ist so zähflüssig, dass er dabei nicht aus den Honigzellen spritzt.

Bei der Ernte werden nun die Honigwaben aus dem Bienenstock entnommen, von aufsitzenden Bienen befreit und anschließend in einem sauberen Raum entdeckelt. Hierzu kann man so genannte Entdeckelungsgabeln verwenden, aber auch die Entdecklung per Heissluftfön oder mit elektrischen Messern ist möglich. Die entdeckelten Waben werden dann meist in einer Honigschleuder bei hoher Drehzahl ausgeschleudert. Alternativ dazu gibt es selten auch Presshonig, bei dessen Herstellung die Waben ausgepresst und damit zerstört werden. Darüber hinaus kann man auch ganze Wabenstücke samt eingelagertem Honig kaufen.

Der frisch geerntete Honig wird nun noch gesiebt und damit von kleinsten Wachsteilchen befreit, anschließend ist es nötig ihn noch einige Tage lang für jeweils einige Minuten regelmäßig zu rühren. Da nahezu jeder Honig mehr oder weniger schnell kristallisiert (von einigen Honigen mit niedrigem Traubenzuckeranteil, wie Wald- oder Akazienhonig abgesehen), verhindert man beim Rühren, dass sich große Kristallstrukturen bilden die man später beim Verzehr des Honigs als sandige Konsistenz wahrnehmen würde. Ausserdem bleiben kleine Kristalle untereinander beweglicher, wodurch gut gerührter Honig später cremig und streichfähig ist.

Sonstige Tätigkeiten

Auch im Juni geraten manche Völker noch in Schwarmstimmung. Wie bereits im Mai beschrieben, versucht der Imker diesem Schwarmtrieb auch im Juni Herr zu werden. Die Bildung von Ablegern ist nach wie vor ein gutes Mittel, diesen Trieb einzudämmen und gleichzeitig die Völkerzahl zu erhöhen. Auch das Entnehmen von Drohnenbrut (siehe Mai) sollte im Juni noch durchgeführt werden.

Im Juli ebbt die Schwarmlust der Bienenvölker in der Regel ab. Möchte man jetzt noch Ableger machen, sollte die Anzahl der dazu verwendeten Bienen wesentlich größer sein als noch im Mai oder Juni (möglichst 6 oder mehr Brutwaben mit aufsitzenden Bienen), da bis zum Herbst das Volk noch nicht ausreichend groß geworden ist um eine ausrechende Menge von Winterbienen nachzuziehen (siehe auch Monat August). Ein zu kleines Volk wird den Winter voraussichtlich nicht überleben.

Je nach Witterung und der noch zu erwartenden Tracht ist es manchmal schon Mitte Juli sinnvoll, den letzten Honig aus den Bienenstöcken zu ernten. Imker in Heidegebieten oder auch in Gebieten, in denen noch mit einer Waldtracht zu rechnen ist (so nennt man die Tracht, die durch die Ausscheidungen der Rindenläuse auf Bäumen entsteht), ernten ihren letzten Honig dagegen erst im August oder sogar im September.

Im Versmolder Raum gibt es weder große Heideflächen, noch große zusammenhängende Waldgebiete, so dass mit Ende der "normalen" Blütentracht und der daran anschließenden Ernte die Völker für den Winter bereit gemacht werden können. Spätestens Anfang August ist dieser Zeitpunkt in der Regel erreicht, in der Monatsbetrachtung "August" sind die nötigen Schritte erklärt.