Imkerverein Versmold

Durchwachsene Silphie

Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum) - ein Feldversuch

Man hat schon viel gehört oder gelesen von der Durchwachsenen Silphie, gerade als Imker: Eine sehr gute Trachtpflanze soll es sein, blühend in den Monaten Juli bis September, honigend auch auf trockenen Standorten, besonders interessant als ein Ersatz für die Mais-Monokultur da sie als Kosubstrat in Biogasanlagen verwendet werden kann.

Unser Vorsitzender Bruno Grüntkemeier wollte es genauer wissen, und startete im Jahr 2011 einen Selbstversuch mit dem Anbau von etwa 1.000 Jungpflanzen der Durchwachsenen Silphie auf einer Fläche von etwa 500 m² gleich neben seinem Hof in Versmold-Oesterweg.

Zur Vorbereitung wurde die schon vorher landwirtschaftlich genutzte Fläche gepflügt und geeggt, im Juni 2011 pflanzte er die aus Thüringen erworbenen Jungpflanzen in Reihen mit einem Abstand von 75 cm je Reihe und 50 cm je Pflanze. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Pflänzchen etwa zwei Blätter ausgebildet, und es fiel schwer zu glauben dass sie sich gegen die sicherlich bald aufkeimenden Wildkräuter behaupten könnten. Doch bereits im Juli hatten sich die Pflanzen gut entwickelt, und bis Oktober 2011 sogar kräftige bodenständige Blattrosetten ausgebildet, die den Boden allerdings noch nicht komplett abschlossen. Bis dahin hatte Bruno die Fläche insgesamt dreimal per Hand gehäckert und so die Wildkräuter bekämpft - auf größeren Flächen müsste dies sicherlich maschinell erfolgen.


Das Feld im Juli 2011


Oktober 2011

Nach dem Winter 2011/2012 gab das Feld kein gutes Bild ab. Die Pflanzen schienen ziemlich in Mitleidenschaft gezogen zu sein, zu Beginn sah es überhaupt nicht so aus als ob die Reihen ohne Ausfälle wieder geschlossen austreiben würden. Dem war aber zum Glück nicht so, im Gegenteil: Sobald die Tage wärmer wurden bildete jede der Pflanzen im Schnitt etwa fünf kräftige Stengel aus, die ein beachtliches Wachstum an den Tag legten. Bis Juli 2012 waren die Pflanzen dann schon etwa zwei Meter hoch, Anfang Juli bildeten sich dann auch bereits die ersten Blüten.

Jetzt Mitte August 2012 ist noch ein guter halber Meter dazu gekommen und das Feld steht in voller Blüte. Das gelb blühende Feld mit den übermannshohen Reihen ist jetzt (August 2012) ein beeindruckender Anblick!


Juni 2012


August 2012

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Pflanzen trotz extremer Hitze mit Temperaturen über 30°C und bei ziemlicher Trockenheit (es hat seit längerem nicht geregnet) und auf leichtem Boden von Bienen sehr stark beflogen werden. Drei oder auch fünf Bienen pro Korbblüte sind keine Seltenheit! Dabei werden sowohl Nektar, als auch Pollen in großer Menge gesammelt. Den Pflanzen kommt dabei eine Eigenart der Blattachseln zu Gute, die am Stengel eine Art tiefen Becher bilden in dem das Regenwasser gesammelt wird und zusätzlich zum Wurzelbereich die Pflanzen mit Feuchtigkeit versorgen. (Die Silphie gehört zu den so genannten "Becherpflanzen".)



Nach Angaben der ADIZ (Heft 8/2012) haben Untersuchungen eine Produktivität von 0,35 Miligramm Nektar je Blütchen in 24 Stunden ergeben. Hochgerechnet würde das einen Honigertrag von ca. 150 kg je Hektar ergeben - und dass zu einer Zeit, zu der mit großen Trachten eigentlich nicht mehr zu rechnen ist. Eine Ernte gestaltet sich aufgrund des gerade beginnenden Bienenjahres, in dem die Ernte ja bereits abgeschlossen sein sollte, allerdings schwierig. Den Bienen ist der unerwartete Nektar- und Polleneintrag aber sicherlich ein willkommenes Geschenk, das die Aufzucht kräftiger und gesunder Winterbienen fördert.

Zu den Pflanzen selbst: Bereits im zweiten Standjahr ist der Wuchs absolut geschlossen, ähnlich wie Mais stehen die Stengel dicht und durch das dichte Blätterdach wird der Boden so beschattet, dass Wildkräuter nicht mehr hochkommen. Ein häckern des Feldes ist somit nicht mehr nötig (und auch nicht mehr möglich).

Neben Mais ist die Silphie sowohl als Ferment für Biogasanlagen sehr gut geeignet, als auch für die Verwendung als Futterpflanze. Bei der Energiegewinnung in Biogasanlagen übersteigt die Silphie beim Grad der Energiegewinnung je nach Standort sogar den von Silomais! Im Gegensatz zu Mais kann das Feld etwa 15 Jahre lang beerntet werden, ohne dass eine erneute Anpflanzung nötig wäre. Lediglich die erschwerten Anbaubedingungen überwiegen derzeit noch und halten viele Landwirte leider von der Verwendung ab: Bislang ist es zur Erzielung einer geschlossenen Pflanzung noch nötig, die Silphie als Setzlinge zu pflanzen. Aber an einer Vereinfachung und Keimungsförderung der Saat wird derzeit geforscht.

Man kann daher nur hoffen, dass die Durchwachsene Silphie in Zukunft mehr Anhänger in der Landwirtschaft findet und so die Mais-Monokulturen im Umfeld von Biogasanlagen durch blühende Felder abgelöst werden. Aber auch die Verwendung einzelner Pflanzen in Hausgärten ist einerseits durch die schmückende Blütenpracht, andererseits aber auch durch den positiven Effekt auf Bienen und andere Insekten zu empfehlen.

Für Bruno steht jedenfalls fest: Der Anbau der Silphie war schon jetzt ein voller Erfolg und hat alle Erwartungen weit übertroffen!